Beispiel 1


24-jährige Patientin stellt sich das erste Mal am 23.08.2005 in der Praxis vor, da das linke Auge seit mindestes 1 Jahr ständig tränt und immer feucht ist. Auch das Ohr und die Nase sind ständig irgendwie zu, sie wird von ihrer Augenärztin geschickt, die einen fast verschlossenen Tränenkanal links diagnostizierte, aber  mit kleiner Sonde durchspülen konnte, bevor eine Operation durchgeführt würde, hätte sie die Patientin gern auf eine CMD und/oder craniosacrale Störungen untersucht. Untersuchungen bei HNO Ärzten hätten keinen pathologischen Befund ergeben. Die Patientin hatte 5 Jahre eine Kieferorthopädische Behandlung, wacht morgens eher müde auf, braucht einige Stunden, bis sie richtig wach ist, oft Schulter-Nacken-Verspannungen

 
Befund am 23.08.2005: alles typisch craniomandibuläre Dysfunktion mit Duraspannung und positiver Occiput-Sacrum Bewegung,  alle Muskeln hyporeaktiv, Zittern der Muskulatur bei Krafttestung,  Kreuzbiß links,12 und 22 fehlen, insuffiziente  Eckzahnführung bds, paradoxe Bewegung des linken Temporale, linkes Zygomaticus  in Flexionsstellung schmerzhaft blockiert, linke Orbita unter Spannung,C1/2 Blockierung ,Vorlauf rechtes SIG

 

Therapie: komplette orthopädisch/osteopathische Behandlung, danach Bissnahme und Versorgung mit einer Aufbißschiene im Unterkiefer 


Wiedervorstellung am 10.10.2005: trägt die Schiene, deutlich besser mit allen Symptomen, Auge sehr gut, war seitdem nicht mehr bei der Augenärztin ,mit dem Ohr links sehr unterschiedlich, mal offen, mal zu, der ZA meint, die oberen 8er sollten raus.
Befund: sieht alles hervorragend aus, lediglich C5/6 in Extension-Rotation-Seitneigung rechts, Stufe palatinal, Palatinum steht links tiefer  als Maxilla.  

 

Der Patientin ging es dann lange Zeit gut, bis die Schiene zerbrach, dann langsam wieder Beginn der alten Probleme, zusätzlich noch Schmerzen im  LWS Bereich beim Springen und Laufen schmerzhaft, ging nach Joggen los. WV am  24.11.2006: alles wieder typisch für eine CMD mit positiver Occiput-Sacrum Bewegung, rechtes SIG blockiert in Linkstorsion über die linke Achse, linkes oberes Sprunggelenk in Valgusstellung, C1-3 Blockierung ,schwacher Psoas bds bei Occiputfixation . Nach Anfertigung einer neuen Aufbißschiene wieder alles in Ordnung, keine Beschwerden mehr.

 
Der Patientin ging es wieder 9 Monate sehr gut, dann bekam sie  2 neue Kronen vom Zahnarzt, wodurch die Schiene nicht mehr passgerecht war, zunehmend wieder Kopf- und Augenprobleme. Befund am 10.09.2007 Occiput-Sacrum Bewegung positiv, unilaterales Sacrum links anterior, L5 ERS links, C1/2 Rotation rechts, linkes Zygomaticus total fest. Erneute osteopathische Therapie mit anschließendem Einschleifen der Schiene. Danach wieder beschwerdefrei. Die letzte Kontrolle am  21.07.2009 zeigte objektiv lediglich eine segmentale Funktionsstörung bei  C5/6. Subjektiv beschwerdefrei. 

 

Bei dieser Patientin war es wegen der CMD zu einer Störung des Os zygomaticus, der Maxilla und des Palatinums gekommen. Damit wurde der Tränen-Nasen-Kanal zwischen Maxilla und Os lacrimale eingeengt. Durch die Beseitigung der CMD und die erfolgte craniale Behandlung konnte die Tränenflüssigkeit wieder ablaufen. Die Fotos des Bisses zeigen rechts eine gute Okklusion der Zähne mit Ausnahme vom 8er, der eine Non-Okklusion hat, links allerdings schlechte Verzahnung mit singulärer Zahnstellung.

 

Denkbar wäre zusätzlich bei der Patientin durch die cranialen Dysfunktionen mit erhöhter Duraspannung die Beteiligung des Trigeminovaskulären Komplexes. Die Aktivierung dieses Systems bewirkt eine zentrale Übertragung von nozizeptiven Informationen und damit retrograd über die Freisetzung von vasoaktiven Neuropeptiden zu einer Dilatation von Gefäßen mit nachfolgendem Tränenfluß und Verstopfung der Nase.

 

 

Beispiel 2


52 jähriger Patient berichtet bestehende Schmerzen im Epigastrium und an der Sternumspitze seit 5 Jahren. Der Patient wurde wegen Refluxösophagitis und Herzrhythmusstörungen medikamentös behandelt. Seit Jahren bestehende Migräne. Gastroskopie wurde durchgeführt, wohl geringe Reizung der Magenschleimhaut. Labor ebenfalls blande. Über mehrere Jahre ärztliche Behandlung ohne großen Erfolg.

Zu den Beschwerden kamen im weiteren Verlauf noch Probleme an den Achillessehnen v.a. rechts, die nach einigen Monaten wieder verschwanden, daraufhin Probleme in der rechten Schulter ,konnte den Arm fast nicht mehr heben oder darauf liegen, nicht einmal Haare kämmen. Nach etwa 6 Monaten gingen die Beschwerden langsam zurück. Ibuprofen und Cortison hätten zuvor keine Wirkung gezeigt.

Im weiteren Verlauf der Anamnese nach ca. 3 Jahren dann proktologische Behandlung wegen Hämorrhoiden. Ständig das Gefühl, die Blase entleeren zu müssen. Zunehmend Kopfschmerzen, nach Akupunktur besser. Trinkt nie Alkohol. 

 

Erste Konsultation in meiner Praxis am 02.05.2008 typische craniomandibuläre Dysfunktion mit Deviation nach rechts, Kreuzbiß links mit Nonokklusion, retrale Zwangsführung, Zahn auf Zahnstellung links, Dysfunktion der Kaumuskeln ,Trigger im Levator, Trapezius und den Kaumuskeln, Duraspannung mit paradoxer Occiput-Sacrumbewegung, paradoxe Bewegung des Os Temporale links, Blockierung C1-4, linkes Bein + 1 cm funktionell, 

Schultertiefstand , Verspannung der Halsmuskeln und der  Nackenregion , Druckschmerz über der Sternumspitze , bei AK Testung generalisierte Hyperreaktivität der Muskeln. Neurologische Untersuchung unauffällig. Haut sehr trocken mit Effloreszenzen im Gesicht und am Oberkörper.

 

Therapie: komplette Behandlung mit Chirotherapie, Ohrakupunktur, Osteopathie, danach Bissnahme und Anfertigung einer okklusalen Schiene durch den Zahnarzt . In den darauffolgenden Wochen wöchentlich eine Behandlung, wobei die visceralen Techniken für Sternum, Ligamenta sternopericardiaca und die Blase im Vordergrund standen. Zusätzlich craniosakrale Techniken.

 

Die Kontrolle am 11.07.2008 ergab objektiv nur noch wenige Auffälligkeiten, C1/2 in Rotation nach rechts LWS und Becken frei, aber verstärkte BWS Kyphose ,hat nur 28 Grad Rotation bds. Subjektiv waren die Herzrhythmusstörungen ohne Medikamente fast weg, keine sternalen Druckschmerzen oder Beklemmungen mehr, die Blase funktionierte einwandfrei und selbst die Haut hatte sich verbessert.

 

Der Patient hatte bereits eine längere Zeit in der sogenannten Adaptationsphase nach Selye gelebt, d.h. auch sein Immunsystem überfordert, wodurch wahrscheinlich die Hauteffloreszenzen zu erklären waren. Die sternalen Beschwerden und Herzprobleme sind über absteigende Faszienketten zu erklären.

 

Weitere Beispiele und Behandlungstechniken können Sie im folgenden Buch nachlesen:

Craniomandibuläre Dysfunktion, Paul Ridder, Elsevier Verlag, 1. Auflage, Erscheinungsdatum 15.Mai 2011, ISBN: 978-3-437-58630-1

 

 

Beispiel 3

Mod. o. Schiene im Artikulator a.p. v. Mod. o. Schiene im Artikulator li. v.
Mod. o. Schiene im Artikulator re. v.
Pat. m. Schiene a.p. v. 
Pat. m. Schiene li. v.
Pat. m. Schiene re. v. 


Anamnese:

Neunjährige Patientin, die von ihrer Mutter vorgestellt wird, da die Tochter eine Makroglossie hat und sich die Zähne in ihrer Position falsch entwickeln. Von chirurgischer Seite war eine Zungenoperation mit Verkleinerung der Zunge vorgeschlagen worden, was die Eltern ablehnten.

Von 2000 – 2014 wurde die Patientin die letzten Jahre begleitend orthopädisch/osteopathisch behandelt, wobei in den letzten 6 Jahren nur noch eine halbjährliche Kontrolle mit wenigen Therapien nötig war.

 

Befund:

Der erste Befund im Jahr 2000 ergab eine katastrophale Zahnstellung, der Unterkiefer war viel zu weit in der Progenie, bzw. der Oberkiefer unterentwickelt, hoher schmaler Gaumen, ägyptischer hoher schmaler Schädel , Makroglossie, sodass die Pat. nicht zubeißen konnte. Beim Sprechen kam die Zunge zwischen die Zähne, sodass die Sprache erschwert war.

Die craniosacrale Untersuchung zeigte eine erhöhte Duraspannung, der gesamte Schädel stand in Extensionsstellung, Muskelteste per Applied Kinesiology ergaben komplett hyperreaktive Muskeln mit Ausnahme der Nackenbeuger und ischiocruralen Muskeln, die schwach waren. Dies ist typisch bei einer CMD, wie sie auch bei der Pat. vorlag. 

Die obere Halswirbelsäule war blockiert. Lotgerechter Aufbau der Wirbelsäule, kein Hohlkreuz, keine BWS-Kyphose, Scapulae stehen sehr weit ab.

 

Therapie:

Bis zum Jahr 2002 wurden regelmäßig eine Craniosacraltherapie, eine Atlastherapie und manualtherapeutische Techniken bei den Physiotherapeuten durchgeführt. Begleitend dazu logopädische Behandlung. Ab dem Jahr 2002/2003 erfolgte dann eine Zusammenarbeit mit dem Kieferorthopäden. Parallel dazu wurde zwei- bis dreimal im Jahr osteopathisch in meiner Praxis behandelt, ansonsten weiter Logopädie und Physiotherapie. Die Kieferorthopädie wurde 2007 abgeschlossen, allerdings war aufgrund der vorhandenen Makroglossie, die immer wieder störend Auswirkungen auf die kieferorthopädische Behandlung hatte, ein nicht optimales Endergebnis zu sehen. Daher wurde nach Abschluss des Wachstums in Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt eine Myozentrikschiene für den Unterkiefer angefertigt, die die Pat. noch bis heute trägt.

Zwischenzeitlich war im Jahr 2005 durch eine Unterschenkelfraktur mit Beteiligung der Wachstumsfuge eine Beinverkürzung über geblieben, sodass diese mit einer Schuherhöhung ausgeglichen werden musste. 

Bei den letzten beiden Vorstellungen im Jahr 2013 und 2014 ging es der Pat. absolut hervorragend. Untersuchungsmäßig war praktisch nichts mehr vorhanden, lediglich kleine Funktionsstörungen im Bereich der oberen HWS oder der unteren LWS. Die Occlusion war mit der Schiene hervorragend eingestellt, sämtliche Muskeln reagierten normoreaktiv.

 

Resümee:

Trotz erheblich schlechter Ausgangssituation im Jahr 2000 konnte durch intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Kieferorthopädie, Zahnmedizin, Physiotherapie und Orthopädie ein für die Pat. sehr zufriedenstellendes Ergebnis erreicht werden.